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Pohang

Schäden nach dem Erdbeben in Pohang.

Pohang ist eine Großstadt in Südkorea mit 516.105 Einwohnern. Sie liegt an der Küste des Japanischen Meeres in der Provinz Gyeongsangbuk-do im Osten des Landes. Die Stadt verfügt über einen Hafen und ist mit dem Fernstraßen- bzw. Eisenbahnnetz mit der Hauptstadt Seoul verbunden. Sie liegt etwa drei Zugstunden entfernt von Seoul. Nächster internationaler Seehafen ist Busan. Einer der weltweit führenden Stahlproduzenten, die Pohang Iron and Steel Company (POSCO), hat ihren Sitz in der Stadt.

Erdbeben, verursacht durch ein Geothermieprojekt?

Nahe Pohang ereignete sich am 15.11.2017 ein Erdbeben der Magnitude Mw = 5,5, das mit dem nahegelegenen Geothermieprojekt in Zusammenhang gebracht wurde.

Die wichtigste Frage zuerst: Zu welchem Ergebnis sind die Forscher in Bezug auf die Bebenursache gekommen?

Es gibt in der Gegend um Pohang natürliche Erdbeben. Eine internationale Expertengruppe hat sich nicht eingestanden, dass sie keine eindeutige Antwort geben kann sondern das Geothermieprojekt verantwortlich gemacht.

Was ist denn in Pohang überhaupt gemacht worden?

2012 begannen die Arbeiten an diesem Pilotprojekt. Bis 2016 wurden zwei Explorationsbohrungen bis in mehr als 4.500 Meter Tiefe abgeteuft. Dann wurden bis zum Sommer 2017 fünf sogenannte Einleitungsversuche durchgeführt. Dabei wird Wasser unter Hochdruck in den Untergrund gepresst. Diese Stimulierung soll neue Risse im Untergrund bilden und vorhandene weiten. So soll für das Geothermiekraftwerk aus dem tiefen, heißen Gestein eine Art Wärmetauscher werden. Das Erdbeben trat etwa drei Monate nach der letzten Stimulation auf. Der zeitliche Abstand war groß, unter Anderem deshalb ist offen, ob beides wirklich zusammenhing.

Was haben die Forscher in ihre Untersuchungen mit einbezogen?

Solche forensischen Untersuchungen sind aufwendig. Die Forscher haben die Geologie untersucht, die tektonischen Spannungsverhältnisse im Untergrund, die Daten der Bohrung, was bei den fünf Stimulationen passiert ist, und wie sich die Seismizität durch die Injektionen verändert hat.

Wusste man nicht, was im Untergrund los ist?

Die geophysikalischen Untersuchungen vor dem Beginn des Projekts hatten zwar keine aktiven Störungen in der direkten Nähe des Projekts ausgemacht. Aber: Es war bekannt, dass in der näheren Umgebung durchaus Störungen unter einem so hohen tektonischen Spannungen standen, dass mittlere bis große Erdbeben möglich waren. So ereignete sich 2016 in rund 20 Kilometern Entfernung ein tektonisches Beben der Magnitude 5,8.

Ein weiterer Anhaltspunkt: Während der Bohrung traf man in 3,8 Kilometer Tiefe auf einen Bereich, in dem verstärkt kleine Erdbeben und Spülungsverluste auftraten.

Hat diese Störung dann etwas mit dem späteren Erdbeben zu tun?

Die seismische Überwachung zeigt, dass bei der letzten Stimulierung im August und September 2017 die Seismizität direkt in dieser Zone der Spülungsverluste stark angestiegen ist, allerdings waren diese Erdbeben zunächst schwach, erreichten höchstens Magnitude 2,0, und nach dem 26. September 2017 schien alles ruhig zu sein. Doch das trog. 49 Tage später zeichneten die Seismometer erneut Erdbeben auf, und diese neuerliche Serie gipfelte schließlich in dem 5,5-Ereignis vom 15. November.

Wie wurde das Projekt überwacht?

Das Pohang-Projekt wurde intensiv wissenschaftlich begleitet. Unter anderem war das europäische Destress-Konsortium beteiligt, ein von der EU geförderter Forschungsverbund zur Geothermie. Destress erprobte in Pohang ein schonendes Injektionsverfahren, das Wassermenge und Druck variiert, je nachdem wie viele Mikroerdbeben ausgelöst werden. Einige der Injektionen in Pohang wurden auf diese Art durchgeführt, darunter die vorletzte im August 2017.

Literatur

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zuletzt bearbeitet Februar 2020