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Poing - Geothermieanlage

Die Geothermieanlage in Poing (Landkreis Ebersberg) gilt als eines der erfolgreichsten Pionierprojekte für tiefe Geothermie in Deutschland. Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie regionale Energiewende praktisch umgesetzt wird

Das Thermalwasser wird in Poing über eine unterirdische Rohrleitung von der Förderbohrung am westlichen Ortsausgang zur Geothermie-Heizzentrale (ehemaliges BHKW) geleitet. Dort überträgt es seine Wärme in Geothermie-Wärmetauschern auf den Fernwärmekreislauf. Anschließend wird das ausgekühlte Thermalwasser über die Thermalwasserrücklaufleitung zur Reinjektionsbohrung an der Plieninger Gemeindegrenze gepumpt, wo es wieder in den Malmkarst zurückgelangt. Bei einer Förderrate von rund 100 Litern pro Sekunde kann eine geothermische Leistung von bis zu 10 Megawatt gewonnen werden. Dies entspricht einer theoretisch gewinnbaren Wärmemenge von etwa 80.000 MWh/a.   

Steckbrief

Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt)

in Betrieb

Name der Anlage

Poing

Ort/sonstige Bezeichnung 

-

Betreiber (Name)

Bayernwerk Natur GmbH

Feldname

-

Bundesland

ayern

Koordinaten

48.16723139267549, 11.791471691465471

Art der Nutzung

Hydrogeothermie

Installierte Leistung geothermisch [MWth]

11,5

Installierte Leistung elektrisch [MWel]

-

max. Thermalwasser-Temperatur [°C]

85

Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m]

3.014

Förderrate [kg/s]

100

Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a]

54,2

Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a]

-

Jahr der Inbetriebnahme

2012

Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung)

-

Endprodukt

Wärme

Anzahl der Bohrungen

Dublette

Hauptnutzung

Fernwärme

Nebennutzung

-

Art des Reservoirs

Kalkstein, Dolomit

Geologische Region

Molassebecken

Betreiberstruktur

kommunal

Zusätzliche Information

-

Beschreibung der Anlage

Das Fernwärmenetz

Bereits seit 20 Jahren wird die Gemeinde Poing über Fernwärme mittels eines Blockheizkraftwerks versorgt. An dieses Fernwärmenetz wurde nun die Geothermie über Wärmetauscher als Grundlastwärmequelle eingebunden.

Ausbauzustand des Fernwärmenetzes in Poing

Leistung Geothermie                

10 MW thermisch

Leistung Spitzenkessel 

30 MW thermisch

Eingesetzte Primärenergie
der Spitzen- und Reservekessel

Erdgas

Anschlussleistung 

ca. 30 MW

Nutzbare Wärmeabgabe 

ca. 40 GWh/a

Kunden

600 (Gewerbe, öffentliche Gebäude, Wohngebäude)

Trassenlänge FW-Netz  

21 km

Anschlussart Gebäude 

indirekt über Wärmetauscher

Erweiterungspotential 

bis zu 15 MW

Geschichte und Infrastruktur der Anlage

Die endgültige Inbetriebnahme der geothermischen Einbindung in die Wärmenutzung erfolgte im September 2012. Die Investitionskosten für die Bohrungen lagen bei rund 27 Millionen Euro – einschließlich der Förderund Verpresstechnik, der Thermalwasserleitungen und der wärmetechnischen Einbindung in das Geothermie-Heizwerk in der Gruber Straße.

In Poing erfolgt die Fernwärmeversorgung seit September 2012 auf Basis der Geothermie (Grundlast).  

Seismizität

Im Nordwesten des Landkreises Ebersberg im Gemeindegebiet Pliening ereigneten sich seit 19.11.2016 insgesamt fünf seismische Ereignisse mit Magnituden ML >= 1,0, von denen drei seismische Ereignisse von Teilen der Bevölkerung verspürt wurden.

Die Bevölkerung konnte die Beben durch Geräusche, Wellenbewegungen im Boden und Vibrationen verspüren. Zudem wurden einige Personen durch verspürtes Wanken des Bodens erheblich verschreckt. Insbesondere nach dem seismischen Ereignis am 09.09.2017 wurden Schäden durch Risse an Häusern gemeldet.

Die Magnitude, Intensität, Tiefe und Datum der seismischen Ereignisse stellen sich wie folgt dar 1,2. Die Ungenauigkeit in der Tiefenbestimmung bis zum 07.12.2016 liegt am Fehlen lokaler Messgeräte, die jedoch inzwischen an der Geothermieanlage Poing infolge des Bebens vom 07.12.2016 durch den Bayerischen Erdbebendienst und dann durch den Betreiber der Geothermieanlage aufgestellt wurden.

 

Datum/ Uhrzeit

Magnitude ML

Intensität (Makroseismisch)

Herdtiefe

1

19.11.2016 / 18:41

1,2

< II (nicht spürbar)

ungenau, ≈ 5 km

2

27.11.2016 / 15:52

1,0

< II (nicht spürbar)

ungenau, ≈ 5 km

3

07.12.2016 / 06:28

2,1

III-IV

ungenau, ≈ 3,5 km

4

20.12.2016 / 04:30

1,8

III-IV

3,4 ± 1 km

5

09.09.2017 / 19:20

2,1

IV

3,1 ± 1 km

Aktuelle Entwicklungen (2026)

In den letzten Jahren lag der Fokus vor allem auf der Optimierung der Pumptechnik und dem Netzausbau. Da die Nachfrage nach klimaneutraler Wärme stetig steigt, wurden die Kapazitäten der Wärmeübertrager und die Effizienz der Pumpen modernisiert, um auch Lastspitzen im Winter souverän abzudecken.

Einzelnachweise

  1. Megies & Wassermann, Geothermics, 2016 und 2017
  2. LIAG (LIAG-Institut für Angewandte Geophysik): Untersuchung der Seismizität am Standort des Geothermieprojekts Poing unter Einbeziehung von Strukturgeologie, Geohydraulik, Hydrochemie, Geomechanik und Dublettenbetrieb. Zusammenfassung: LIAG (Hannover). Google Scholar, 2018

Weblinks

www.bayernwerk-natur.de

https://www.poing.de/bauen-umwelt/energie-klima/geothermie-fernwaerme.html 

https://ig-fernwärme-poing.de

Literatur

Zu Literatur siehe:

zuletzt bearbeitet Februar 2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de