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Radon-Bäder

Im medizinisch-therapeutischen Bereich werden seit vielen Jahren von Ärzten in Radon-Bädern sogenannte Radonkuren verschrieben, insbesondere bei Krankheitsbildern des rheumatischen Bereiches (z. B.: Morbus Bechterew), die mit starken und dauerhaften Schmerzen einhergehen. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Radonanwendungen bzw. Prozessen der Radonaufnahme in den Körper: Inhalation über die Atemluft (z. B.: in Stollen), Badekuren (Aufnahme über die Haut) oder Trinkkuren (Aufnahme über Wasser).

Wirkung

Ein Ursache-Wirkungsmechanismus, der eine mögliche positive Wirkung von Radonkuren erklärt, ist bislang nicht bekannt. Dennoch berichten Patienten von deutlichen Minderungen ihrer Beschwerden. Diese Diskrepanz zwischen subjektivem (Patienten)Empfinden und objektiver (wissenschaftlicher) Erklärung ist noch nicht zufriedenstellend erklärt.

Die durch ihre Anwender postulierte nutzbringende Wirkung von niedrig dosiertem Radon soll in der Aktivierung, ausgelöst durch eine „Reizung“, der körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Radikalbildung bestehen. Zugleich soll die DNA-Synthese durch Radon herabgesetzt werden und dies soll ein möglicher Mechanismus der antirheumatischen Wirkung sein. Daneben soll Radon die Kortisonsekretion steigern. Dies könnte die Wirkung bei Asthma oder Rheuma miterklären. Niedrig dosierter ionisierender Strahlung wird außerdem, im Widerspruch zur überwiegenden Ansicht der Fachöffentlichkeit, eine schützende Wirkung vor Krebs zugesprochen. Diese sogenannte Hormesis-Hypothese von T.D. Luckey beruht auf Wachstumsexperimenten an bestrahlten Pflanzen und niederen Tieren. Es wird auch von Adaptationsphänomen (adaptive Reaktion, adaptive response) der Zelle gegen Stress gesprochen.

Forschung

Beim Menschen sind exakte Daten zur Wirkung niedriger Strahlendosen bisher nicht erhoben worden. Die Fachöffentlichkeit, beispielsweise UNSCEAR, geht durch lineare oder supralineare Extrapolation der bekannten Wirkung höherer Dosen von einer stochastischen schädlichen Wirkung, wie Krebs- und Mutationserzeugung, beliebig niedriger Dosen aus.

In einem Forschungsprojekt unter Federführung der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt sollen die therapeutische Wirkung und die Risiken der Radontherapie untersucht werden. Hierbei sollen Aussagen über die Langzeitwirkungen einer Strahlenexposition mit niedrigen Radonstrahlendosen und die für den therapeutischen Nutzen wichtigen Mechanismen der Entzündungshemmung bei Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie zum Beispiel Rheuma, sowie der Atemwege und der Haut gefunden werden, zumal die Wirkungsweise bisher weitgehend unbekannt ist. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Wirkung von Radon zu klären und auf ein solides wissenschaftliches Fundament zu stellen. Außerdem sollen Risiken wie etwa die Gefahr der Krebserzeugung durch niedrige Strahlendosen des Radons besser abgeschätzt werden. Die therapeutische Wirkung von Radon in der Entzündungshemmung soll mit der von Röntgenstrahlung und der in der Tumortherapie erfolgreich eingesetzten Schwerionenstrahlung verglichen werden.

Radonbäder in Europa

Radonbäder gibt es in Zentraleuropa in Bad Zell und Gastein in Österreich, in Niška Banja in Serbien, im Radon-Revitalbad in Menzenschwand, im Radonstollen in Bad Kreuznach und in den Orten Bad Brambach, Bad Münster, Bad Schlema, Bad Steben und Sibyllenbad in Deutschland, in Jáchymov in Tschechien, in Hévíz in Ungarn sowie in Naretschen und in Kostenez in Bulgarien.