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Richtbohrtechnik

Gerichtete, im Tonstein geführte Bohrung. Quelle: Sven Sonntag, global-evolution

Die Richtbohrtechnik ermöglicht es, mit einer Bohrung ein vorgegebenes Ziel zu erreichen.

Unter anderem ist die Abteufung mehrerer Bohrungen von einem einzigen oberirdischen Bohrplatz möglich. Ein zeit- und kostenaufwändiges Versetzen der oberirdischen Bohrtechnik wird damit umgangen. Beim Richtbohren dreht sich der Bohrstrang selbst nicht. Nur der Meißel wird durch einen Untertagemotor in Rotation versetzt.

Neigungswinkel und Bohrrichtung werden kontinuierlich über Sensoren gemessen (measuring while drilling, MWD), aufgezeichnet und am Computer dargestellt. Liegt eine Abweichung vom optimalen Bohrverlauf vor, wird der Bohrstrang mit dem Meißel so nachgedreht, dass er wieder in die richtige Richtung zeigt (geosteering).

Bedeutung für die Geothermie

In Deutschland sind gerichtete oder angelenkte Bohrungen in der Geothermie inzwischen der Normalfall. Meist werden für ein Dublette die Förderbohrung und/oder die Reinjektionsbohrung von demselben Bohrplatz aus abgeteuft und so abgelenkt, dass sie im Bohrlochtiefsten einen ausreichenden Abstand haben. So wird nicht nur der Bau eines zweiten Bohrplatzes vermieden, sondern auch eine überirdische Verbindungsleitung eingespart.

Bohrungen werden oft auch in Hinblick auf das örtliche Spannungsfeld oder auf seismisch erfasste Störungsstrukturen abgelenkt. Angestrebt wird, dass die Bohrung in Richtung der kleinsten horizontalen Hauptspannung verläuft bzw. quer zu erkannten Störungen. So erhöht sich die Möglichkeit, dass eine wasserführende Störung durchörtert wird.