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Soultz-sous-forets - Geothermieanlage

Kraftwerk in Soultz-sous-Forest. Quelle: ES
Das neue Geothermiekraftwerk in Soultz-sous-Forêts / Foto: EnBW, Hanna Mergner

Soultz-sous-forêts (deutsch Sulz unterm Wald) ist eine französische Gemeinde mit 3035 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass. Sie liegt im Kanton Wissembourg. Der Anhang zum Ortsnamen wurde von der hügeligen, weitgehend bewaldeten Landschaft abgeleitet. Am 1. Juli 1982 wurde das Dorf Hohwiller (deutsch: Hohweiler) eingemeindet. Dieses Straßendorf liegt südöstlich von der Hauptsiedlung. 

Geothermie

Im Sommer 2008 nahm nahe dem elsässischen Ort Soultz-sous-Forêts (Oberrheingraben) erstmals ein geothermisches Kraftwerk den Probebetrieb auf, das die in Tiefengesteinen gespeicherte Wärme nutzt. Im Unterschied zu anderen Geo-Kraftwerken, die natürliche Heißwasser- oder Dampfvorkommen anzapfen, wurden bei dieser Anlage in 5.000 m Tiefe vorhandene Risse und Spalten im 200 °C heißen Granit durch Wasserinjektion erweitert und zu einem geologischen Wärmetauscher verbunden.

Über mehrere Bohrungen kann Wasser durch diesen untertägigen Wärmetauscher zirkuliert und dabei erhitzt werden. Die so gewonnene Wärmeenergie lässt sich an der Oberfläche zur Stromerzeugung bzw. zur Wärmeversorgung nutzen. Dieses Verfahren wird oftmals auch als „Hot-Dry-Rock-Technologie“ bezeichnet. Vorteil ist, dass es sich großräumig, unabhängig von Wasser- bzw. Dampfvorkommen anwenden lässt.

Für die geothermische Energienutzung gehört der Oberrheingraben zu den besonders interessanten Regionen. Selbst dort zeichnet sich der Standort Soultz durch einen ungewöhnlich raschen Temperaturanstieg mit zunehmender Bohrtiefe aus. In mehreren Bohrphasen haben mittlerweile drei Bohrungen die angestrebte Endtiefe von 5.000 Metern erreicht. Das durch den geologischen Wärmetauscher zirkulierende Wasser wird mit Temperaturen bis ca. 175 °C gefördert, in einem Kraftwerk mit spezieller Technologie (ORC) zur Stromerzeugung genutzt und dann abgekühlt wieder in die Tiefe gepumpt.

Damit fand ein, von der Europäischen Union, Frankreich, Deutschland und in der Anfangsphase auch Großbritannien gefördertes, internationales Forschungsprojekt einen vorläufig erfolgreichen Abschluss. Französische und deutsche Energieversorgungsunternehmen sowie Forscherteams auch aus weiteren Staaten haben sich an dem Projekt intensiv beteiligt. Insbesondere die in Soultz mit der Stimulation dichter Gesteinsformationen gesammelten Erfahrungen kommen sowohl den Anlagen nach dem HDR-Verfahren als auch denen auf Basis von Thermalwasseraquiferen zugute. So lassen sich zukünftig auch geologische Wärmereservoire zur Energieversorgung nutzen, die bislang wegen fehlender oder unzureichender Thermalwasserzirkulation für die Energieversorgung nicht oder nur mit Einschränkungen in Betracht kamen.

Zwei Energieversorgungsunternehmen aus Frankreich und Deutschland haben 2016 in Soultz-sous-Forêts ein neues kommerzielles Kraftwerk in Betrieb genommen. Es ersetzt das Forschungskraftwerk aus dem Jahr 2008. Die neue Anlage ist besser als der Vorgänger auf die örtlichen geothermischen Gegebenheiten ausgelegt. Die Anlage speist jährlich rund 12 Millionen Kilowattstunden Strom ins französische Netz ein. Das Kraftwerk nutzt ca. 160 °C heißes Wasser, das in einem geschlossenen Kreislauf aus 5.000 m Tiefe über eine Bohrung an die Oberfläche gelangt. Anschließend wird das Wasser mit allen Inhaltsstoffen über zwei andere Bohrungen wieder in die ursprüngliche Gesteinsschicht gepresst. Die Region bietet sich für die geothermische Energieerzeugung besonders an, weil dort die Temperatur in 1.000 m Tiefe bereits das Zweieinhalbfache des mitteleuropäischen Durchschnitts beträgt.

Das Kraftwerk arbeitet nach dem Organic-Rankine-Cycle (ORC) Verfahren und kann dadurch Wärme auf einem vergleichsweise niedrigen Temperaturniveau zur Stromerzeugung nutzen. Ein organisches Arbeitsmittel zirkuliert in einem sekundären Kreislauf und kann Wärme aufnehmen bzw. wieder abgeben. Die Energieversorger Electricité de Strasbourg (ES) und Energie Baden Württemberg (EnBW) betreiben das neue Geothermie-Kraftwerk gemeinsam.

Literatur

Zu der sehr umfangreichen Literatur siehe unter Literaturdatenbank und/oder Konferenzdatenbank.

Weblink

http://www.bine.info/publikationen/publikation/geothermische-stromerzeugung-in-soultz-sous-forets/ 

BINE Informationsdienst