Die Geothermieanlage in Traunreut gilt als eines der erfolgreichsten Projekte dieser Art in Bayern. Sie kombiniert die Erzeugung von Fernwärme mit der Gewinnung von elektrischem Strom.
Die heißes Thermalwasser führende Kalksteinschicht in einer Tiefe von ca. 4.500 m unter Geländeoberkante wird in Traunreut durch zwei Bohrungen erschlossen. Aus einer Bohrung wird das ca. 118°C heiße Thermalwasser mittels Pumpe gefördert. Über Tage wird dem Thermalwasser Energie mit Hilfe von Wärmetauschern entzogen. Anschließend fließt das auf ca. 55°C abgekühlte Thermalwasser wieder über die zweite Bohrung in die Kalksteinschicht zurück. Somit wird kein Thermalwasser entnommen – der Kreislauf ist geschlossen.
Das Kraftwerk der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH (GKT) mit Sitz in Traunreut befindet sich am Rand der Staatsstraße zwischen Stein a. d. Traun und Traunreut.
Status (in Betrieb, im Bau, in Planung, stillgelegt) | in Betrieb |
Name der Anlage | Traunreut |
Ort/sonstige Bezeichnung | - |
Betreiber (Name) | Geothermische Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH |
Feldname | - |
Bundesland | Bayern |
Koordinaten | 47.973032611148284, 12.579492009460596 |
Art der Nutzung | Hydrogeothermie |
Installierte Leistung geothermisch [MWth] | 13,5 |
Installierte Leistung elektrisch [MWel] | 5,5 |
max. Thermalwasser-Temperatur [°C] | 120 |
Tiefe - TWD (wirkliche Tiefe) [m] | 4.645,8 |
Förderrate [kg/s] | 166 |
Jahresproduktion geothermische Wärme [GWh/a] | 38,576 |
Jahresproduktion geothermischer Strom [GWh/a] | 30,756 |
Jahr der Inbetriebnahme | Heizwerk 2014, Kraftwerk 2016 |
Aufsuchung (Erlaubnis), Gewinnung (Bewilligung) | - |
Endprodukt | Wärme und Strom |
Anzahl der Bohrungen | Dublette |
Hauptnutzung | Fernwärme |
Nebennutzung | Strom |
Art des Reservoirs | - |
Geologische Region | Molassebecken |
Betreiberstruktur | kommunal |
Zusätzliche Information | - |
Parallel zum Kraftwerksprozess wird die Wärme des Thermalwassers über einen Wärmetauscher an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Traunreut (SWT) übertragen. Die Fernwärme wird der Stadt bei einer Temperatur von ca. 100°C geliefert, die SWT können je nach Bedarf Wärme aus der Geothermieanlage beziehen und an die Industrie- und Privatkunden im Stadtgebiet Traunreut liefern.
Im geothermischen Kraftwerk Traunreut wird zur Stromerzeugung zunächst das Thermalwasser dem Wärmetauscher zugeleitet und die vorhandene Wärme an das Arbeitsmittel des ORC- Prozesses (Organic-Rankine-Cycle = Thermodynamischer Kreisprozess nach Rankine) übertragen. Dabei wird das Arbeitsmittel verdampft, der Dampf in einer Turbine entspannt, die wiederum einen Generator antreibt und somit elektrische Energie erzeugt.
Die Verflüssigung des nach der Turbine immer noch dampfförmigen Arbeitsmittels erfolgt in luftgekühlten Kondensatoren und wird erneut den Verdampfern zugeleitet. Der Prozess beginnt von neuem. Auch dieser Kreislauf ist hermetisch geschlossen. Die im Generator erzeugte Spannung wird mittels eines Transformators auf die erforderliche Netzspannung von 20 kV transformiert und in das Schalthaus West der E.ON Bayern AG eingespeist. Das Kraftwerksmodul arbeitet eigenständig und erzeugt unter den gegebenen Rahmenbedingungen wie Thermalwasserstrom, Fernwärmebedarf und Umgebungs-Temperatur eine elektrische Leistung zwischen rund 5,5 Megawatt.
Der Zeitplan für die Bohrungen und die Errichtung des Geothermie Kraftwerks Traunreut sieht folgendermaßen aus:
| Bohrplatzbau | Juli 2011 - Oktober 2011 | |
| 1. Bohrung | Januar 2012 - Oktober 2012 | |
| 2. Bohrung | Oktober 2012 - April 2013 | |
| Bau Fernwärmeübergabestation | Mai 2013 - Januar 2014 | |
| Wärmelieferung | seit Februar 2014 | |
| Kraftwerksbau | August 2014 - Dezember 2015 | |
Stromlieferung | seit Januar 2016 |
Nachdem die Anlage über einige Jahre im Besitz des britischen Investors Equitix war, gab es eine bedeutende Änderung in der Eigentümerstruktur:
Heidenhain-Konzern: Das in Traunreut ansässige Technologieunternehmen Heidenhain hat die Anlage übernommen (bzw. ist maßgeblich beteiligt), um die eigene Energieversorgung langfristig zu sichern und die lokale Wertschöpfung zu stärken.
Betriebsführung: Die operative Führung erfolgt weiterhin über die Geothermische Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH (GKT) in Kooperation mit den Stadtwerken Traunreut.
Da die bestehende Anlage bereits an ihrer Kapazitätsgrenze arbeitet und die Nachfrage nach klimaneutraler Fernwärme stetig steigt, sind Erweiterungen im Gespräch:
Zweite Anlage: Es gibt konkrete Überlegungen und Gespräche zwischen der Stadt und dem Heidenhain-Konzern über den Bau eines zweiten Geothermiekraftwerks (Traunreut-Ost). Die Aufsuchungserlaubnis für das benachbarte Feld wurde bereits gesichert.
Fernwärmenetz: Die Stadtwerke Traunreut bauen das Netz kontinuierlich aus, um weitere Wohngebiete (wie z.B. das Neubaugebiet Stocket) und Industriebetriebe anzuschließen.
Wirtschaftlichkeit: Seit Anfang 2026 profitieren Kunden teilweise von neuen Preisstrukturen, die durch das Geothermie-Beschleunigungsgesetz und regionale Anpassungen begünstigt werden.
http://www.geothermie-traunreut.de/geothermie-kraftwerk/
Zu Literatur siehe:
zuletzt bearbeitet Februar2026, Änderungs- oder Ergänzungswünsche bitte an info@geothermie.de