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Unterföhring - Geothermieanlage

Doppeldublette in Unterföhring. Quelle: Geovol

Unterföhring liegt auf dem Gebiet des nordalpinen Molassebeckens, einer für die Geothermie besonders gut nutzbaren Region zwischen Donau und Alpen. Hier zirkuliert im tiefen Untergrund heißes Thermalwasser, das zu Heizzwecken und in besonderen Fällen auch zur Stromerzeugung genutzt werden kann.

Hierzu wird die Gesteinsschicht mit dem heißen Wasser, die im Molassebecken in Tiefen zwischen 1.500 und ca. 6.000 Metern verläuft, mit Hilfe von Tiefbohrungen ‚angezapft’. In Unterföhring wird das heiße Thermalwasser über zwei Förderbohrungen gefördert, die in rund 2.500 Metern bzw. 2.300 Metern Tiefe enden (siehe unten).

Mit dem Fernwärmenetz der GEOVOL kann sowohl Heizwärme für Wohngebäude als auch für Gewerbe und öffentliche Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden – nachhaltig, kostengünstig und umweltfreundlich. Unterföhring hat mit der Geothermie eine heimische Energiequelle erschlossen und vermindert so die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern, die zum Teil aus politisch unsicheren Regionen importiert werden müssen. Und nicht zuletzt: Geothermie leistet einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung und zum Klimaschutz!

Steckbrief

Name der Anlage

Heizwerk Unterföhring

Standort

Unterföhring

Eigentümer/ Betreiber

GeoVol Regenerative Energie Unterföhring

Nutzungsart

Hydrothermale Doppeldublette

Jahr der Inbetriebnahme

2009/14

Leistung thermisch [MWth]

20,2

Leistung elektrisch [MWel]

-

Bohrungen [m]

2.124/2.341

Thermalwassertemperaturen [⁰C]

93

Förderraten [kg/s]

75/90

Sonstiges

Zwei Dubletten

Geothermische Bohrungen

Um die heimische Erdwärme nutzen zu können, wurden 2008/2009 und 2014 jeweils zwei Bohrungen niedergebracht. Eine Bohrung dient dabei jeweils als sogenannte Förderbohrung: Durch diese Bohrung wird das Thermalwasser gefördert und in die Energiezentrale geleitet, wo ein Teil der Wärme entnommen und auf das Fernwärmenetz übertragen wird. Die andere Bohrung dient der Reinjektion: Hier wird das leicht abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund geleitet und damit der Wasserkreislauf geschlossen.

Im Folgenden die wesentlichen Eckdaten der insgesamt vier geothermischen Bohrungen in Unterföhring:

Förderbohrung (TH 2)

Temperatur des Thermalwassers: 87 °C
Tiefe der Bohrung: 2124 m
Länge der Bohrung: 2578 m
Schüttung: 85 Liter pro Sekunde

Reinjektionsbohrung (TH 1)

Temperatur des Thermalwassers: 86 °C
Tiefe der Bohrung: 2512 m
Länge der Bohrung: 3042 m
Schüttung: 85 Liter pro Sekunde

Förderbohrung (Th 4)

Temperatur des Thermalwassers: 93 °C
Länge der Bohrung: 3897 m
Tiefe des Bohrendpunkts: 2341 m
Schüttung: 90 Liter pro Sekunde

Reinjektionsbohrung (Th 3)

Temperatur des Thermalwassers: 84 °C
Tiefe des Bohrendpunkts: 2053 m
Länge der Bohrung: 3050 m
Schüttung: 100 Liter pro Sekunde 

Umweltfreundliche Klimatisierung

Seit 2015 versorgt GEOVOL seine Kunden nicht nur mit heimischer Wärme sondern bietet auch die Klimatisierung mit umweltfreundlicher Kälte an. Hierfür werden Absorptionskältemaschinen genutzt, die mit Hilfe geothermischer Fernwärme betrieben werden. Die Aufgabe der Wärme in solchen Anlagen ist, Wasser aus einer Lösung auszutreiben, das anschließend bei Niederdruck verdampft und so der Umgebung Wärme entzieht – dabei entsteht Kälte, die zur Klimatisierung des Gebäudes genutzt werden kann. 

Die Installation geothermisch betriebener Absorptionskältemaschinen ist in der Regel nur für Unternehmen interessant. Für sie lohnt sich die innovative Nutzung geothermischer Energie aber in doppelter Hinsicht: Zum einen ökologisch und zum anderen finanziell. Denn konventionelle Klimaanlagen werden in der Regel mit Strom betrieben und verursachen dadurch hohe Betriebskosten. Auch ökologisch ist die Klimatisierung mit Geothermie ein Gewinn: Dank des umweltfreundlichen "Betriebsmittels" Erdwärme verbessern die Nutzer geothermischer Kältemaschinen ihre Umweltbilanz deutlich.

Ressourcenschonung und Klimaschutz 

Die bis Ende 2016 durch die Geothermieanlage der GEOVOL Unterföhring GmbH zur Verfügung gestellte Wärmemenge betrug rund 264.000 Megawattstunden (MWh). Um diese Wärmemenge mit Heizöl zu erzeugen, wären davon rund 31 Millionen Liter nötig gewesen. Diese Menge entspricht etwa 940 großen Tanklastzügen voll mit Heizöl. Für die Versorgung in Spitzenlastzeiten und zur Absicherung der geothermischen Wärmeversorgung steht in der Energiezentrale ein Erdgas-betriebener Kessel zur Verfügung, der bislang aber wenig zum Einsatz kam.

Durch die erhebliche Reduzierung des Verbrauchs von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas sorgt die Unterföhringer Geothermieanlage für einen deutlich verringerten Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid. Seit Inbetriebnahme konnten so rund 60.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden – die Geothermie leistet also einen wertvollen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz!

Weblink

http://www.geovol.de/cms/waermeversorgung/geothermie.html