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Mitgliederportraits

Hier stellen wir regelmäßig unsere vielseitigen Mitglieder in einem Interview vor. Die Mitglieder des Bundesverbandes sind nationale und inernationale Vertreter aus Wirschaft und Forschung und reichen von Bohrunternehmen und weiteren mittelständischen Unternehmen wie Zulieferern über Planungsbüros, Anlagenbetreibern und Stadtwerken bis hin zu großen Forschungszentren. Wir hoffen Sie können einen Einblick in die Tätigkeitsfelder der Branche werfen und spannende Kontakte kennenlernen.

Möchten Sie sich als Mitglied gerne an dieser Stelle vorstellen? Ihre Ansprechpartnerin ist

Mitglied des Monats August: Das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ)

Zentrale Forschungsfrage der Sektion Geoenergie des GFZ ist die Erforschung und Erschließung von tiefen Reservoiren für Energienutzung. Priv. Doz. Dr. Simona Regenspurg ist seit 2009 am GFZ tätig. Bildquelle: WING

Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt und wie ist Ihre Faszination für die Geothermie entstanden?

Mein Hintergrund ist Geologie, mit dem Schwerpunkt Hydrogeologie und Geochemie.  Nach dem Studium habe ich mich auf Umweltgeochemie fokussiert. In die Geothermie bin ich dann (2009) zufällig hineingerutscht und war aus zwei Gründen begeistert: wissenschaftlich, aus Sicht einer Geochemikerin sind die geothermischen Fluide aufgrund ihrer extremen Eigenschaften (z.B. die hohen Salinitäten) und der komplexen Zusammensetzung sehr faszinierend. Dazu kommen noch die hohen Temperaturen und Drücke unter denen die chemischen Reaktionen ablaufen. Hier ist noch immenser Forschungsbedarf, um diese Reaktionen richtig zu prognostizieren. Der andere Grund ist natürlich die  Geothermie an sich, die als nachhaltige Energiequelle ein enormes Potential hat, was aber aus unterschiedlichen Ursachen noch kaum genutzt wird. Diese können  durch geeignete Forschungsprojekte aus dem  Weg geräumt werden. Auch hier spielen natürlich die Kenntnisse der Fluide und ihrer Reaktionen eine wichtige Rolle.

Sie leiten die Geothermie-Forschungsplattform Groß Schönebeck. Sowohl an der Forschungsplattform als auch im Rahmen des Forschungsprojektes ATES-iQ wird gerade für die Erschließung des Potenzials der Tiefen Geothermie im Norddeutschen Becken geforscht. An welcher Fragestellung arbeiten Sie und Ihr Team aktuell?

Das Team (also die Sektion „Geoenergie“ am GFZ) ist sehr vielseitig und betrachtet die Geothermie-Forschung ganzheitlich, also von der Erkundung, über die Erschließung bis zur obertägigen Anbindung. Aktuell sind wir gemeinsam am GFZ sehr daran interessiert die Geothermie (und Geoenergie) im Raum Berlin-Brandenburg weiter zu entwickeln, da wir hier ein großes Potential für die Anwendungen sehen, das aber noch mit enormen Forschungsbedarf verbunden ist. Zu diesem regionalem Ansatz gehören Projekte an mehreren Forschungsplattformen mit unterschiedliche Fragestellungen: Während in Groß Schönebeck Forschung zur Tiefen Geothermie, zu EGS und zur  Erschließung der hoch-salinaren, Lithium-reichen Rotliegendwässer durchgeführt werden soll, beschäftigen sich die Forschungsfragen am Standort in Berlin-Spandau (ATES-IQ), wo sich der ehemalige Berliner Gasspeicher  befindet, mit der  Erschließung des Muschelkalks zur Wärmegewinnung oder Wärmespeicherung (ATES). Generell bietet dieser Standort hervorragende Möglichkeiten zur Geoenergieforschung in unterschiedlichen geologischen Formationen, da auch der Buntsandstein oder das Rotliegende durch Bohrungen bereits erschlossen sind. Weitere Projekte, die gerade im Berlin-Brandenburger Raum durchgeführt werden sind das Projekt ATES-geoFern, in dem in diesem Sommer/Herbst eine ATES Forschungsbohrung in Berlin –Adlershof abgeteuft wird. Wir arbeiten auch eng mit den Potsdamer Stadtwerken zusammen (EWP), die in der Potsdamer Innenstadt Tiefe Geothermie nutzen wollen. Bei all diesen Projekten geht es uns darum die Prozesse zu verstehen, unverstandene Fragen zu beantworten und so potentielle Risiken zu beseitigen, so dass zukünftig mehr geothermische Energieerzeugung im Norddeutschen Raum stattfinden kann.

Letzten September wurde die deutsche Sektion des Women in Geothermal (WING) mit Ihnen als Botschafterin gegründet. Welche Botschaft möchten Sie verbreiten? oder Für wen ist WING interessant?

Leider ist die Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Industrie, insbesondere in den MINT Disziplinen noch nicht erreicht. Geothermie mit den vielen Fachbereichen aus den Ingenieurswissenschaften ist dafür ein Paradebeispiel. WING setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen in der Geothermie ein. Um das zu erreichen sollen Frauen in Erziehung und der professionellen Entwicklung in der geothermischen Gesellschaft gefördert werden. Gleichzeitig wirbt WING aktiv um Mitglieder (Frauen und Männer gleichermaßen), die diese Idee grundsätzlich unterstützen.

Auf nationaler Ebene sind dafür die  jeweiligen „Country Chapters“ zuständig, die von je einem „Ambassador“ (das bin aktuell ich für Deutschland) geleitet werden. In unserem WING-Germany Team, das aus Frauen und Männern aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und lokalen Energieversorgern besteht wollen wir eine Plattform für Frauen bilden, um sie in ihrer Karriere zu unterstützen, und sowohl regional als auch international zu vernetzen.

Unser offizielles Kick-off Event findet übrigens auf dem diesjährigen DGK statt. Dazu gehören eine Reihe von Vorträgen und eine Diskussionsrunde. Wir freuen uns über zahlreiche TeilnehmerInnen. Mehr Informationen zu WING und auch die Beantragung der Mitgliedschaft finden sich hier: https://womeningeothermal.org.

Warum sind Sie Mitglied des Bundesverbandes Geothermie geworden?

Nachdem ich nun seit 12 Jahren im Bereich Geothermie arbeite, habe ich gemerkt, dass ich mehr aktiv mitgestalten möchte. In Deutschland ist die geothermische Community noch immer klein und es gibt zu wenig Geothermieprojekte. Und die wenigen, die es gibt, fokussieren sich auf den Oberrheingraben und das Süddeutsche Molassebecken. Da sich meine Forschungsaktivitäten innerhalb Deutschlands eher auf den Norddeutschen Raum fokussieren, bin ich der Meinung dass auch hier unbedingt mehr Forschungs- und Demonstrationsprojekte notwendig sind, die die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit sowohl von tiefer Geothermie als auch von thermischer Aquiferspeicherung aufzeigen.

Es ist wichtig, dass wir Geothermiker mehr miteinander arbeiten und so die Geothermie als Ganzes nach vorne und aus ihrem Schattendasein unter den Erneuerbaren Energien führen. Dazu müssen Wirtschaft, Wissenschaft, lokale Energieversorger und die Politiker zusammengebracht werden. Der Bundesverband ist dafür die entscheidende Schnittstelle.


Mitglied des Monats Juni: Bohrkonzept Drilling & Service GmbH

Uwe Bokemüller, Geschäftsführer von BohrKonzept Drilling & Service GmbH, berät seit mehr als 8 Jahren Bohranlagenbetreiber und Geothermieprojektentwickler.

Die BohrKonzept Drilling & Service GmbH, vertreten durch den Diplom-Bohringenieur Uwe Bokemüller bietet Beratungs-Dienstleistungen im Bereich des Bohranlagenbetriebes und verschiedenen Bohrungs- und bohranlagenrelevanten Aspekten an.

Nach über zwanzig Jahren Berufserfahrung bei ITAG Tiefbohr GmbH und Hekla Energy hat Herr Bokemüller eine hervorragende Expertise für geothermische  Tiefbohrungen entwickelt und berät seit mehr als 8 Jahren Bohranlagenbetreiber und Geothermieprojektentwickler in den Bereichen Managementberatung, Technisches Due dilligence, Business Development/Marktbewertungen, Unterstützung von Start-up Phasen; Duchführung bergrechtlicher Genehemigungsprozesse (Bohranlagengenehmigungen/ Betriebsplanerstellung),technische Inspektionen, „Second Look“ auf Bohrprogramme; Unterstützung und Beratung in Tenderprozessen und Vertragsgestaltungen.

Der BVG führte ein telefonisches Interview:

1. Wieviele Mitarbeiter hat Ihr Unternehmen und in welcher Region befinden sich Ihre Projekte?

Neben ein bis zwei studentischen Mitarbeitern als Minijobber bearbeite ich die fachlichen Themen als „One-Man-Show“. Ein weiterer Mitarbeiter ist für die Verwaltung tätig. Meine Beratungsleistungen für Projekte und Kunden finden in Deutschland und in angrenzenden europäischen Ländern wie z. B. in Tschechien und in der Slowakei, der Schweiz, in Dänemark und in den Niederlanden statt.

2. Was war bisher Ihr spannendstes Geothermieprojekt?

Über frühere Arbeitgeber wie die ITAG Tiefbohr GmbH und die Hekla Energy habe ich schon seit Jahrzehnten mit der Ausführung von Geothermiebohrungen zu tun. Unter anderen waren die Bohrungen Pullach TH 1 und TH2 mit der ITAG Rig 23 und die Bohrung Pullach TH 3 mit der Hekla Rig 002 sehr spannende und erfolgreiche Bohrprojekte.

3. Sie sprachen beim 4. Erfahrungsaustausch Kommunale Geothermieprojekte in Augsburg über die Sicherheit und Effizienz des Bohrens. Ist der Austausch und das Netzwerken in der Branche einer Ihrer Gründe gewesen ein Mitglied des Bundesverbandes Geothermie zu werden?

Ich habe vorstandsnah beim BVG an der Front mitgekämpft, das liegt nun schon länger zurück. Wir suchen heute den fachlichen Austausch in der Branche, nutzen die aktuell publizierten Informationen und auch die Netzwerkmöglichkeiten. In der Regel besuche ich auch die Veranstaltungen, aktuell natürlich eingeschränkt. Ich bin Mitglied aufgrund der intensiven Austauschmöglichkeiten, die dadurch bestehenund unterstütze die Arbeit des BVG auch durch meinen Beitrag.

4. Wie unterstützt der BVG Sie in Ihrer Arbeit? Was wünschen Sie sich vom Bundesverband?

Die politische Arbeit des BVG ist für mich sehr wichtig. Der Branche würde es deutlich besser gehen, wenn es staatliche Absicherungen für risikobehaftete Arbeiten, wie z.B dem Abteufen von Bohrungen etc. geben würde. Neben dem Thema Fündigkeitsversicherung, welches ja schon länger präsent ist, sollte auch grundsätzlich intensive Verbandsarbeit in mögliche Absicherungen bohrtechnischer Risiken investiert werden. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie z.B. den Niederlanden oder der Schweiz hat Deutschland aus meiner Sicht Nachholbedarf. Die politischen Rahmenbedingungen für tiefe Geothermieprojekte sind z.B. in den genannten Ländern  attraktiver. Resultierend daraus zeichnet sich dort eine Zunahme von Projekten ab.  Die Bundesrepublik will weg von fossilen Brennstoffen und hin zu regenerativer Energie. Von Geothermie hören wir da, wenn überhaupt, immer  nur als „Letztes“. Um tiefe Geothermie populärer zu machen, wäre eine umfassendere, staatliche Unterstützung zielführend. Die Risikoabsicherung für den technischen Bohrprozess  Bohren ist da aus meiner Sicht ein sehr wesentlicher Punkt. Zu viele Projekte scheitern noch immer an der Bereitstellung von Risikokapital, da braucht es unterstützende Modelle. 

Kontakt:

BohrKonzept Drilling & Service GmbH

Dipl.- Ing. Uwe Bokemüller - Geschäftsführer  -  General Manager

bokemueller(at)bohrkonzept.de

Adresse: Kirchhofstrasse 4, D - 38642 Goslar 

Die Bohrzeiten aller 3 Bohrungen in Pullach waren deutlich schneller als bei vergleichbaren Bohrungen in der Region. Dies war Im Wesentlichen begründet in der hohen Effizienz der Projektabwicklungen mit hoher technischer Zuverlässigkeit der Bohranlagen betrieben durch sehr erfahrene und qualifizierte Bohrmannschaften. In der 3. Bohrung wurde zudem die Ausführungszeit (56 Bohrtage) durch den Einsatz von Rotary Steerable Systems ( = Automatisiertes Richtbohrverfahren) deutlich verkürzt.

Mitglied des Monats April: Geothermal Technologies research group der technischen Universität München

Das Fachgebiet für Geothermal Technologies wurde im Oktober 2019 mit der Tenure-Track-Berufung von Prof. Dr. Michael Drews an der Technischen Universität München etabliert. Die aktuell 5 Mitarbeiter beschäftigen sich dabei vor allem mit geomechanischen und strukturgeologischen Fragestellungen in der tiefen Geothermie.

1. Was umfasst Ihr Forschungsfeld und warum haben Sie genau dieses gewählt?

Wir beschäftigen uns mit der tiefen Geothermie. Unser Forschungsfeld umfasst dabei den Einfluss der untertägigen geomechanischen und strukturgeologischen Begebenheiten auf die Bohr-, Fündigkeits- und Produktionsrisiken tiefengeothermischer Projekte. Hauptfokus liegt dabei auf der Minimierung des Bohrrisikos bezüglich des Druck- und Spannungsfelds, denn Druck und Spannungen sind die geologischen Rahmenbedingungen für das Design jeder Tiefbohrung. Umgekehrt ist jede Tiefbohrung eine Art geomechanischer Feldversuch und die Art und Weise, wie eine Bohrung niedergebracht wurde, kann einem sehr viel über die geomechanischen Begebenheiten im Untergrund erzählen, wenn man sich die Mühe macht, die bohrtechnischen und geologisch-geophysikalischen Puzzlestücke entsprechend zusammenzusetzen. Es macht unheimlich viel Spaß dabei einerseits die eigene Industrieerfahrung einbringen zu können und andererseits mit meiner Arbeitsgruppe neue Wege und Ansätze auszuprobieren. Dass dies alles direkt vor der Haustür, also im Bayerischen Molassebecken, möglich ist, macht es umso schöner und spannender.

2. Woran forschen Sie gerade und was finden Sie daran besonders wichtig?

Aktuell beschäftigen wir uns mit den geomechanischen und strukturgeologischen Begebenheiten des Bayerischen Molassebeckens. Insbesondere interessiert uns der Einfluss der Alpenfront auf das heterogene Druck- und Spannungsfeld und die Charakterisierung der strukturellen und geomechanischen Eigenschaften des Deckgebirges. Die Bearbeitung dieser fundamentalen Forschungsfragen ist essentiell für die verbesserte Bohrplanung aber auch für das Verständnis von Temperaturverteilung, Reservoirqualität und Reaktivierungspotential vorhandener Störungszonen im Reservoir. Die konkrete Anwendung adressieren wir dabei unter anderem in der Geothermie-Allianz Bayern. Hier arbeiten wir konkret an der Entwicklung neuer Vorhersage- und Monitoringtechniken zur Bohrlochstabilität. In weiteren angewandten Forschungsprojekten arbeiten wir außerdem an einer geomechanischen Datenbank als Planungsgrundlage für zukünftige Tiefbohrungen und an den geomechanischen Herausforderungen alternativer Bohrtechniken.

3. Was ist Ihre persönliche Einschätzung der Entwicklung der Geothermie im Molassebecken?

Sehr positiv! Das Molassebecken hat bezüglich der hydrothermalen Tiefengeothermie inzwischen eine Vorreiterrolle in Deutschland und in Europa. Eine große und sehr positive Rolle spielt hier auch die hervorragende Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis, die insbesondere durch die Geothermie-Allianz Bayern und viele weitere angewandte Projekte gelebt wird. Dabei ist das geothermische Potential des Molassebeckens noch lange nicht ausgeschöpft. Das zeigen auch die vielen Projekte, die in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt werden sollen und denen wir mit Spannung entgegensehen.

4. Warum sind Sie Mitglied beim Bundesverband Geothermie geworden?

Der BVG ist Sammelbecken und Treffpunkt der geothermischen Community in Deutschland, in der wir als junges Fachgebiet ja auch immer noch recht neu sind. Für die Vernetzung, Sichtbarkeit und auch um bezüglich der neuesten Entwicklungen in der Geothermie auf dem Laufenden bleiben zu können, ist eine Mitgliedschaft für uns als Fachgebiet sehr wichtig. Das gilt auch besonders für die Veranstaltungen, die der BVG organisiert und auf die wir uns jedes Jahr sehr freuen. Der BVG bietet für uns daher auch die Möglichkeit unsere Forschungsergebnisse der Community zur Verfügung zu stellen und so am Voranschreiten der tiefen Geothermie in Deutschland mitzuwirken.

Mehr Informationen zu dem Fachgeboet finden sich auf der Webseite der TU München (TUM.GTT).

 

Arbeitsgruppe des Fachgebiets für Geothermal Technologies der TU München. Hinten (von links): Peter Obermeier (Petrophysik), Florian Duschl (Strukturgeologie), Indira Shatyrbayeva (Bohrlochstabilität), Michael Drews (FG-Leitung). Vorne: Rosemary Marin-Loebard (Sekretariat). Es fehlt: Johannes Großmann (Strukturgeologie & Geophysik)
Das Fachgebiet für Geothermal Technologies der TU München adressiert und kombiniert fundamentale sowie angewandte Forschungsfragen der tiefen Geothermie. Hierbei steht die Charakterisierung und Modellierung des Druck-und Spannungsfeldes und dessen Auswirkungen auf Fluidmigration, Temperaturverteilung und Deformation sowie auf Bohr-, Fündigkeits- und Produktionsrisiken tiefengeothermischer Projekte im Vordergrund.

Mitglied des Monats März: Geobit Energieprojekte GmbH

Unser Neumitglied Geobit Energieprojekte GmbH aus Willich stellt sich Ihnen hier vor. Geologe Bernd Bremerich-Ranft beantwortete unsere Fragen.

1. Was ist Ihr Schwerpunkt als beratender Geologe bei GEOBIT Energieprojekte GmbH?

Beratung ist tatsächlich mein Steckenpferd. Ich liebe es, mit den Menschen, die sich für ein Geothermieprojekt interessieren, im Energiezentrum in Willich in der Geothermie-Sprechstunde zu sitzen und die ganz konkreten Anforderungen jedes einzelnen Projekts zu besprechen. Leider kann ich diese Bürgerberatung im EZW nur einmal in der Woche anbieten. Einmal im Monat gibt es bei GEOBIT jetzt auch eine Onlineberatung, zurzeit bieten wir die sogar kostenlos an.

Ansonsten bin ich bei GEOBIT verantwortlich für die Auslegung der Anlagen in unseren Bauprojekten, die Erstellung von Fachgutachten und unsere Messtechnik. Leider bin ich nicht mehr bei jeder Bohrung vor Ort, um die Qualitätssicherung auf den Baustellen kümmern sich inzwischen vor allem meine großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In letzter Zeit erstellen wir relativ viele Machbarkeitsstudien. Vor allem in den Kommunen geht viel voran im Bereich der Erneuerbaren Energien. Wie viele in der Branche arbeiten natürlich auch wir an einem kalten Nahwärmenetz.

2. Was bisher das spannendste Projekt, an dem Sie beteiligt waren?

Aktuell arbeiten wir, gemeinsam mit drei Projektpartnern, für das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven an einer Machbarkeitsstudie zur energetischen Modernisierung der deutschen Forschungsstation Neumayer 3 in der Antarktis. Wir sind dabei vor allem mit der Entwicklung der Ausführung einer eisgekoppelten Wärmepumpe beschäftigt. Es gilt auch Produkte am Markt zu identifizieren, die für die besonderen Bedingungen in einer Polarregion geeignet sind. Sonden, Wärmeträgermedien, Kältemittel, Anbindung, Bohrtechnik – alles eigentlich wie immer, aber alles auf einem anderen Temperaturlevel. Die Neumayerstation steht ja auf dem Schelfeis, es gibt also kein Gestein als Wärmequelle. Das ist schon eine besondere Herausforderung, an der wir viel Freude haben.

Wir bei GEOBIT mögen technische Herausforderungen. In Aachen sind wir mit dem Bohrgerät unter einem Bestands-Reihenhaus durchgefahren. Der Bauherr hat dafür Wanddurchbrüche erstellen lassen und den Kellerboden vorübergehend 70 cm tiefer gelegt. Der Bohrunternehmer musste noch die Bohranlage teildemontieren. Der Bulli vom Geologischen Dienst NRW hat nicht durchgepasst - die Rotomax schon. Solche Projekte beleben den Alltag.

3. Welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell gegenüber?

Wir müssen den Gebäudebestand in Deutschland energetisch in den Griff bekommen. Anders kann die Wärmewende nicht gelingen.

In der Firma gilt es mit Bedacht zu wachsen. Ich sehe einen großen Bedarf für energetische Optimierung im Gebäudesektor und eine große Bereitschaft der Menschen diese Umzusetzen. Wir freuen uns auf die nächsten Jahre in der Geothermie.

4. Was wünschen Sie sich konkret von der nächsten Landesregierung in Bezug auf ihre Branche?

Eigentlich haben wir nur eine Forderung an die Politik. Faire Energiepreise.

Wenn es der Politik gelingt, die EEG-Umlage von den Industrieprivilegien zu befreien, haben wir schon einen großen Schritt gemacht. Dann gilt es noch, die Ausgleichsmechanismusverordnung zu reformieren und gleichzeitig die fossilen Brennstoffe mit deren tatsächlichen CO2-Emmissions-Folgekosten zu belasten.

Sobald wir faire Energiepreise haben, wird die geothermisch gekoppelte Wärmepumpe quasi von allein zur ersten Wahl bei der nachhaltigen und effizienten Beheizung und Kühlung von Gebäuden.

Bohrung.
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Ute Ranft, Geologin und Projektleiterin bei Geobit.
Drucktests.