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Mitgliederportraits

Hier stellen wir ab sofort jeden Monat Neumitglieder und langjährige Mitglieder des Bundesverbands Geothermie vor. Ziel ist es, einen facettenreichen Überblick über die Firmenmitglieder des Verbands zu geben.

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Mitglied des Monats April: Geothermal Technologies research group der technischen Universität München

Das Fachgebiet für Geothermal Technologies wurde im Oktober 2019 mit der Tenure-Track-Berufung von Prof. Dr. Michael Drews an der Technischen Universität München etabliert. Die aktuell 5 Mitarbeiter beschäftigen sich dabei vor allem mit geomechanischen und strukturgeologischen Fragestellungen in der tiefen Geothermie.

1. Was umfasst Ihr Forschungsfeld und warum haben Sie genau dieses gewählt?

Wir beschäftigen uns mit der tiefen Geothermie. Unser Forschungsfeld umfasst dabei den Einfluss der untertägigen geomechanischen und strukturgeologischen Begebenheiten auf die Bohr-, Fündigkeits- und Produktionsrisiken tiefengeothermischer Projekte. Hauptfokus liegt dabei auf der Minimierung des Bohrrisikos bezüglich des Druck- und Spannungsfelds, denn Druck und Spannungen sind die geologischen Rahmenbedingungen für das Design jeder Tiefbohrung. Umgekehrt ist jede Tiefbohrung eine Art geomechanischer Feldversuch und die Art und Weise, wie eine Bohrung niedergebracht wurde, kann einem sehr viel über die geomechanischen Begebenheiten im Untergrund erzählen, wenn man sich die Mühe macht, die bohrtechnischen und geologisch-geophysikalischen Puzzlestücke entsprechend zusammenzusetzen. Es macht unheimlich viel Spaß dabei einerseits die eigene Industrieerfahrung einbringen zu können und andererseits mit meiner Arbeitsgruppe neue Wege und Ansätze auszuprobieren. Dass dies alles direkt vor der Haustür, also im Bayerischen Molassebecken, möglich ist, macht es umso schöner und spannender.

2. Woran forschen Sie gerade und was finden Sie daran besonders wichtig?

Aktuell beschäftigen wir uns mit den geomechanischen und strukturgeologischen Begebenheiten des Bayerischen Molassebeckens. Insbesondere interessiert uns der Einfluss der Alpenfront auf das heterogene Druck- und Spannungsfeld und die Charakterisierung der strukturellen und geomechanischen Eigenschaften des Deckgebirges. Die Bearbeitung dieser fundamentalen Forschungsfragen ist essentiell für die verbesserte Bohrplanung aber auch für das Verständnis von Temperaturverteilung, Reservoirqualität und Reaktivierungspotential vorhandener Störungszonen im Reservoir. Die konkrete Anwendung adressieren wir dabei unter anderem in der Geothermie-Allianz Bayern. Hier arbeiten wir konkret an der Entwicklung neuer Vorhersage- und Monitoringtechniken zur Bohrlochstabilität. In weiteren angewandten Forschungsprojekten arbeiten wir außerdem an einer geomechanischen Datenbank als Planungsgrundlage für zukünftige Tiefbohrungen und an den geomechanischen Herausforderungen alternativer Bohrtechniken.

3. Was ist Ihre persönliche Einschätzung der Entwicklung der Geothermie im Molassebecken?

Sehr positiv! Das Molassebecken hat bezüglich der hydrothermalen Tiefengeothermie inzwischen eine Vorreiterrolle in Deutschland und in Europa. Eine große und sehr positive Rolle spielt hier auch die hervorragende Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis, die insbesondere durch die Geothermie-Allianz Bayern und viele weitere angewandte Projekte gelebt wird. Dabei ist das geothermische Potential des Molassebeckens noch lange nicht ausgeschöpft. Das zeigen auch die vielen Projekte, die in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt werden sollen und denen wir mit Spannung entgegensehen.

4. Warum sind Sie Mitglied beim Bundesverband Geothermie geworden?

Der BVG ist Sammelbecken und Treffpunkt der geothermischen Community in Deutschland, in der wir als junges Fachgebiet ja auch immer noch recht neu sind. Für die Vernetzung, Sichtbarkeit und auch um bezüglich der neuesten Entwicklungen in der Geothermie auf dem Laufenden bleiben zu können, ist eine Mitgliedschaft für uns als Fachgebiet sehr wichtig. Das gilt auch besonders für die Veranstaltungen, die der BVG organisiert und auf die wir uns jedes Jahr sehr freuen. Der BVG bietet für uns daher auch die Möglichkeit unsere Forschungsergebnisse der Community zur Verfügung zu stellen und so am Voranschreiten der tiefen Geothermie in Deutschland mitzuwirken.

Mehr Informationen zu dem Fachgeboet finden sich auf der Webseite der TU München (TUM.GTT).

 

Arbeitsgruppe des Fachgebiets für Geothermal Technologies der TU München. Hinten (von links): Peter Obermeier (Petrophysik), Florian Duschl (Strukturgeologie), Indira Shatyrbayeva (Bohrlochstabilität), Michael Drews (FG-Leitung). Vorne: Rosemary Marin-Loebard (Sekretariat). Es fehlt: Johannes Großmann (Strukturgeologie & Geophysik)
Das Fachgebiet für Geothermal Technologies der TU München adressiert und kombiniert fundamentale sowie angewandte Forschungsfragen der tiefen Geothermie. Hierbei steht die Charakterisierung und Modellierung des Druck-und Spannungsfeldes und dessen Auswirkungen auf Fluidmigration, Temperaturverteilung und Deformation sowie auf Bohr-, Fündigkeits- und Produktionsrisiken tiefengeothermischer Projekte im Vordergrund.

Mitglied des Monats März: Geobit Energieprojekte GmbH

Unser Neumitglied Geobit Energieprojekte GmbH aus Willich stellt sich Ihnen hier vor. Geologe Bernd Bremerich-Ranft beantwortete unsere Fragen.

1. Was ist Ihr Schwerpunkt als beratender Geologe bei GEOBIT Energieprojekte GmbH?

Beratung ist tatsächlich mein Steckenpferd. Ich liebe es, mit den Menschen, die sich für ein Geothermieprojekt interessieren, im Energiezentrum in Willich in der Geothermie-Sprechstunde zu sitzen und die ganz konkreten Anforderungen jedes einzelnen Projekts zu besprechen. Leider kann ich diese Bürgerberatung im EZW nur einmal in der Woche anbieten. Einmal im Monat gibt es bei GEOBIT jetzt auch eine Onlineberatung, zurzeit bieten wir die sogar kostenlos an.

Ansonsten bin ich bei GEOBIT verantwortlich für die Auslegung der Anlagen in unseren Bauprojekten, die Erstellung von Fachgutachten und unsere Messtechnik. Leider bin ich nicht mehr bei jeder Bohrung vor Ort, um die Qualitätssicherung auf den Baustellen kümmern sich inzwischen vor allem meine großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In letzter Zeit erstellen wir relativ viele Machbarkeitsstudien. Vor allem in den Kommunen geht viel voran im Bereich der Erneuerbaren Energien. Wie viele in der Branche arbeiten natürlich auch wir an einem kalten Nahwärmenetz.

2. Was bisher das spannendste Projekt, an dem Sie beteiligt waren?

Aktuell arbeiten wir, gemeinsam mit drei Projektpartnern, für das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven an einer Machbarkeitsstudie zur energetischen Modernisierung der deutschen Forschungsstation Neumayer 3 in der Antarktis. Wir sind dabei vor allem mit der Entwicklung der Ausführung einer eisgekoppelten Wärmepumpe beschäftigt. Es gilt auch Produkte am Markt zu identifizieren, die für die besonderen Bedingungen in einer Polarregion geeignet sind. Sonden, Wärmeträgermedien, Kältemittel, Anbindung, Bohrtechnik – alles eigentlich wie immer, aber alles auf einem anderen Temperaturlevel. Die Neumayerstation steht ja auf dem Schelfeis, es gibt also kein Gestein als Wärmequelle. Das ist schon eine besondere Herausforderung, an der wir viel Freude haben.

Wir bei GEOBIT mögen technische Herausforderungen. In Aachen sind wir mit dem Bohrgerät unter einem Bestands-Reihenhaus durchgefahren. Der Bauherr hat dafür Wanddurchbrüche erstellen lassen und den Kellerboden vorübergehend 70 cm tiefer gelegt. Der Bohrunternehmer musste noch die Bohranlage teildemontieren. Der Bulli vom Geologischen Dienst NRW hat nicht durchgepasst - die Rotomax schon. Solche Projekte beleben den Alltag.

3. Welchen Herausforderungen sehen Sie sich aktuell gegenüber?

Wir müssen den Gebäudebestand in Deutschland energetisch in den Griff bekommen. Anders kann die Wärmewende nicht gelingen.

In der Firma gilt es mit Bedacht zu wachsen. Ich sehe einen großen Bedarf für energetische Optimierung im Gebäudesektor und eine große Bereitschaft der Menschen diese Umzusetzen. Wir freuen uns auf die nächsten Jahre in der Geothermie.

4. Was wünschen Sie sich konkret von der nächsten Landesregierung in Bezug auf ihre Branche?

Eigentlich haben wir nur eine Forderung an die Politik. Faire Energiepreise.

Wenn es der Politik gelingt, die EEG-Umlage von den Industrieprivilegien zu befreien, haben wir schon einen großen Schritt gemacht. Dann gilt es noch, die Ausgleichsmechanismusverordnung zu reformieren und gleichzeitig die fossilen Brennstoffe mit deren tatsächlichen CO2-Emmissions-Folgekosten zu belasten.

Sobald wir faire Energiepreise haben, wird die geothermisch gekoppelte Wärmepumpe quasi von allein zur ersten Wahl bei der nachhaltigen und effizienten Beheizung und Kühlung von Gebäuden.

Bohrung.
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Ute Ranft, Geologin und Projektleiterin bei Geobit.
Drucktests.