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Relativortung (Seismologie)

Relativortung seismischer Ereignisse im Umfeld einer Geothermieanlage. Quelle: GeoFuture

In der Seismologie ist die Ortung der Erdbebenherde (X,Y,Z) eine wesentliche Aufgabe. Aufgrund unzureichender Netze, der allgemeinen Bodenunruhe und der damit verbundenen Fehler bei der Bestimmungen der Laufzeiten ist die Ortung immer fehlerbehaftet. Die Genauigkeit ist selten besser als 1 km, die der Tiefe meist schlechter. Die Ortung ergibt absolute Koordinaten des Herdes. Dabei ist zwischen der Genauigkeit der Ortung (abhängig von der Genauigkeit der Ablesung der Einsätze) und der Richtigkeit der Ortung (abhängig vom Gechwindigkeitsmodell) zu unterscheiden. Eine Ortung kann sehr präzise und dennoch falsch sein!

Wesentlich größere Genauigkeiten lassen sich erziehlen, wenn nur die relative Lage in bezug auf ein zweites Ereignis erarbeitet wird. Diese Relativortung erreicht dann Genauigkeiten im Zehnermeter-Bereich. Das Ereignis auf das sich die Ortung bezieht, nennt man meist master event. Dieses kann entweder ein reales (meist größeres) Ereignis sein, aber auch ein errechnetes Mittel aus mehreren Ereignissen oder gar ein vollsynthetisches Ereignis. Die Methode der Ortung wird meist 'double-difference method' (DD) genannt.

Die Relativortung macht viel Sinn für Ereignisse, die einen gemeinsamen Quellmechanismus (beispielsweise Bewegung auf einer Störung) zuzuordnen sind. Derartig ähnliche Ereignisse nennt man Cluster und kann sie aus einem Datensatz durch Vergleich der Schwingungsformen (Signaturen) heraussuchen lassen (clustering).

Relativortungen der Ereignisse eines Clusters bilden oft die Lage einer aktiven Störung ab, die dann oft durchlässig ist und bei der Thermalwasserförderung oder Injektion eine Rolle spielen kann.