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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Erdwärme?

Erdwärme ist die im Erdinneren gespeicherte Wärme immensen Umfangs, die jedoch nur zu einem verschwindend kleinen Anteil genutzt werden kann. 99 % des Erdballs sind heißer als 1000 °C. Im Erdkern werden Temperaturen von bis über 5.000 °C angenommen. Nur gerade ein Tausendstel der Erdmasse, nämlich die obersten 3 Kilometer, sind kühler als 100 °C. In der Erdkruste, welche unter Kontinenten durchschnittlich 30 Kilometer dick ist, nimmt die Temperatur pro 100 Meter um etwa 3 Grad zu. Von der Oberfläche strahlt Erdwärme mit einem mittleren Wärmestrom von 0,065 Watt pro Quadratmeter in den Weltraum ab.


Wie entsteht Erdwärme?

Ein Teil dieser Wärme entstand bei der Zusammenballung der Erde aus kosmischem Staub vor rund 4,5 Milliarden Jahren und ist bis heute vorhanden. Ein großer Teil der Wärme wird jedoch laufend durch den natürlichen Zerfall der Isotope Kalium-40, Thorium und Uran erzeugt und erhält den Wärmevorrat trotz dauernder Abstrahlung von Wärme in den Weltraum aufrecht. 


Wie viel Erdwärme gibt es in Deutschland?

Der schon mit heutigen technischen Mitteln erschließbare Untergrund bringt eine Energiereserve, welche den gesamten Energiebedarf auf hunderte von Jahren nachhaltig sicherstellen kann. Die Beschränkung liegt nicht bei der vorhandenen Erdwärmemenge, sondern bei der Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Erschließungstechniken. Erdwärme ist auch in Deutschland eine regenerative Ressource.


Wie groß ist die Erdwärmereserve der Welt?

Die nutzbare – mit heutiger Tiefbohrtechnik erschließbare – Energiereserve wird weltweit auf das rund 30-fache sämtlicher fossiler Reserven (Kohle, Gas und Öl) geschätzt. Aufgrund der zukünftig erschließbaren Mengen kann die Erdwärmereserve als unerschöpflich betrachtet werden. Die Hitze im Erdinneren ist der Motor, der seit über 4 Milliarden Jahren Kontinente verschiebt, sämtliche Gebirge der Welt auftürmt und Vulkane speien lässt. Natürliche radioaktive Zerfallsprozesse im Erdinneren erhalten die Temperatur seit Milliarden von Jahren.


Wann ist Erdwärme verfügbar?

Erdwärme ist immer verfügbar. Im Gegensatz zu anderen nachhaltigen und CO2-freien Energiequellen ist die Nutzung weder von Tageszeit noch von Wetter oder Klima abhängig. Sie kann jederzeit nach Bedarf und nicht nur nach Angebot gebraucht werden.


Wo ist Erdwärme verfügbar?

Anders als die fossilen Reserven sind Erdwärmereserven praktisch an jedem Ort der Erde vorhanden. Bis heute wurde die Erdwärme vor allem dort genutzt, wo man am wenigsten tief danach bohren musste. Das sind in der Regel vulkanische Gebiete. Außerhalb vulkanischer Gebiete ist die Temperaturzunahme von Region zu Region unterschiedlich. In Regionen mit einem hohen Temperaturgradienten muss man deshalb weniger tief bohren, um nutzbare Temperaturen zu erreichen. Dies ist ein wichtiger, aber nicht alleiniger Aspekt in der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit. 


Wie kann man Erdwärme speichern?

Erdwärme braucht nicht gespeichert zu werden. Die Erde ist der Speicher. Sie kann je nach Bedarf produziert werden.


Kann man Erdwärme transportieren?

Ja, zum Beispiel mit Fernwärmeleitungen. Aber da Erdwärme an fast jedem Punkt der Erde verfügbar ist, entfallen lange Transportwege. Transportdistanzen wie für Erdöl und Erdgas oder auch Elektrizität braucht es nicht. Kaum ein Primärenergieträger kann so nahe dem Verbraucher gewonnen werden wie Geothermie.


Braucht eine Erdwärmeanlage viel Platz?

Nein. Der größte Teil der Anlage befindet sich unsichtbar unter der Erde. Meist zeugt nur ein Schachtdeckel von der Anwesenheit einer Tiefbohrung. Die Größe der oberirdischen Apparaturen ist mit konventionellen thermischen Heiz-Kraftwerken vergleichbar. Geothermische Anlagen sind kompakt, der Flächenverbrauch ist deutlich geringer als für andere erneuerbare Energien.


Wie wird Erdwärme gewonnen?

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Methoden, mit denen Erdwärme gewonnen werden kann.

Erdwärmesonden: Erdwärmesonden sind geschlossene Rohrsysteme, die in Pfählen von einigen Metern oder Bohrungen bis zu einigen hundert Metern Tiefe in den Boden eingebracht werden. Das zirkulierende Wasser entzieht dem umgebenden Boden Wärme. Mit einer Wärmepumpe wird die Wärme dem Sondenkreislauf entzogen, auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und zur Beheizung von Gebäuden gebraucht.

Wärmeentzug aus Thermalwasser: Unter günstigen geologischen Situationen können warme Tiefengrundwässer mit Bohrungen angezapft werden. Dem Wasser wird ebenfalls mit Wärmepumpen die Wärme entzogen und zum Heizen gebraucht. Das abgekühlte Wasser wird mit einer weiteren Bohrung in den Grundwasserleiter zurückgeführt. 

Petrothermale Geothermie: In einer Tiefe von 4-6 Kilometern herrschen Temperaturen von 150 bis über 200 Grad Celsius. Mit Tiefbohrungen wird kaltes Wasser in das Gestein gepresst. Weitere Bohrungen nehmen das durch künstlich erweiterte Klüfte gepresste Wasser wieder auf und fördern es an die Oberfläche. Auf diesem Temperaturniveau kann über einen Wärmetauscher und einen Sekundärkreislauf Strom produziert werden. Das abgekühlte Wasser wird im geschlossenen Kreislauf wiederum ins heiße Reservoir eingepresst. Diese Technik wird derzeit im EU-Forschungsprojekt Soulz-sous-Forets und in Groß Schönebeck bei Berlin erprobt. Bisherige Versuchsanlagen in den USA (Fenton Hill) und Großbritannien (Rosmanowes) haben durchaus positive Resultate produziert.


Entstehen bei der Nutzung Schadstoffe?

Da keine Verbrennung stattfindet, werden keine Abgase freigesetzt. Die Wärmegewinnung ist ein physikalischer und kein chemischer Prozess. Beim Wärmeentzug aus Thermalwasser und bei der Petrothermalen Geothermie können sich natürliche Stoffe im Fels und Grundwasser lösen und an die Oberfläche gelangen. Da jedoch ausschließlich mit geschlossenen Kreisläufen gearbeitet wird, gelangen diese Stoffe weitgehend wieder in den Untergrund zurück. Gelegentlich werden Ausfällungen in dazu vorgesehenen Filtern anfallen, die jedoch nicht belastender als irgendwelche Gesteinserosionsprodukte sind.


Schont Erdwärme die Umwelt mehr als Heizöl?

Ja, es handelt sich nicht nur um eine CO2-freie Energiequelle, sondern auch um eine einheimische Quelle, welche umweltbelastende Transporte überflüssig macht.


Trägt Erdwärme zur Erwärmung der Erde bei?

Nein. Mit jeder geothermischen Installation, welche einen Verbrennungsprozess ersetzt, wird die Atmosphäre von künstlich erzeugten Abgasen entlastet.


Kühlt Erdwärmenutzung die Erde ab?

Im Nahbereich einer Erdwärmesonde kühlt der Fels um einige Grade vom ursprünglichen Temperaturniveau ab. Durch das entstandene Temperaturgefälle wird aber ein Wärmefluss erzeugt, sodass sich schon nach wenigen Betriebsjahren ein neues nachhaltiges Temperaturniveau einregelt, das eine Nutzung auf unbeschränkte Zeit ermöglicht. Im Rückgabebereich von abgekühltem Thermalwasser oder eingepresstem Kaltwasser tritt eine Abkühlung des Gesteins auf. Nach einer Produktionszeit von ca. 20 Jahren sinkt die ursprüngliche Temperatur im Reservoirbereich um bis zu 15 %. Wird dieses Feld dann verlassen, fließt aus dem unerschöpflichen Reservoir der Erde die Wärme wieder nach und stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Im Gegensatz zur Förderung fossiler Ressourcen erholen sich genutzte Reservoire wieder. Auf die Gesamtwärmebilanz des Untergrundes sind die so erzeugten Wärmesenken vernachlässigbar.

Die Abkühlung im Reservoir ist auch nach oben eng begrenzt. Das heißt, dass zum Beispiel über dem Reservoir einer Petrothermalen Anlage weiterhin Erdwärmesonden unbedenklich installiert und betrieben werden können.


Hat die Erdwärmenutzung einen negativen Effekt auf das Pflanzenwachstum?

Mit dem Gebrauch der Erdwärme wird keine für Flora und Fauna benötigte Energie entzogen. Bis in eine Tiefe von rund 20 Metern wird die Bodentemperatur durch die Sonneneinstrahlung und die mittlere Temperatur der Klimazone dominiert. Das Pflanzenwachstum wird vollständig von diesen Einflüssen bestimmt. Der Erdwärmefluss ist zu gering, um in diesem Tiefenbereich eine messbare Temperaturveränderung zu bewirken. Eine Senkung der Erdtemperatur in tieferen Bereichen ist an der Oberfläche nicht feststellbar.


Gefährdet die Erdwärmenutzung das Grundwasser?

Nein. Über 90 % des genutzten Grundwassers wird aus oberflächennahen Lockergesteinen gefördert. Wärmeentzug aus diesem Grundwasser ist grundsätzlich möglich, dabei handelt es sich aber nicht um eigentliche Erdwärme, sondern klimatisch bedingte Umgebungswärme. Eine übermäßige Abkühlung in sehr oberflächennahen Grundwässern kann unter Umständen einen negativen Einfluss auf die Vegetation bewirken.

Bei jeglicher Bohrung durch genutzte Grundwasserhorizonte gilt es eine vertikale Zirkulation von Wässern aus anderen Grundwasserhorizonten zu vermeiden. Tondichtungen und Zementation der Verrohrungen sind erprobte Methoden in der Bohrtechnik.


Werden mit der Erdwärme giftige Stoffe an die Oberfläche befördert?

Bei Erdwärmesonden werden gar keine Stoffe aus dem Boden transportiert. Beim Entzug von Tiefengrundwasser können giftige Gase wie zum Beispiel Schwefelwasserstoff vorkommen. Wenn das geförderte Wasser jedoch nicht zur Entgasung kommt und in geschlossenen Rohren über Wärmetauscher geführt und danach wieder in den Tiefengrundwasserleiter zurückgeführt wird, entsteht an der Oberfläche keine Belastung der Umgebung mit toxischen Stoffen. Bei der Petrothermalen Geothermie, deren Reservoirgesteine kristalliner Art sind, ist kaum mit toxischen Stoffen zu rechnen. Auch hier gilt, dass sämtliche Stoffe, die an die Oberfläche gefördert werden, auch wieder ins Reservoir zurückgelangen.


Macht die Förderung Lärm?

Nein. Auf jeden Fall nicht mehr als jedes andere Heizsystem. Da in keinem der Systeme Dampf produziert und abgelassen wird, sind beim Betrieb keine übermäßigen Lärmemissionen zu befürchten.


Werden radioaktive Substanzen an die Oberfläche gefördert?

Das Gestein im tiefen Untergrund ist kristalliner Natur. Das heißt, es entstand vor Millionen Jahren aus einer Gesteinsschmelze. Ähnliches Gestein findet man in unseren Gebirgsmassiven, z. B. im Gotthardmassiv, im Schwarzwald oder den Vogesen an der Oberfläche. Solche Gesteine haben tatsächlich eine höhere natürliche Radioaktivität als 5 Ablagerungsgesteine. Allerdings ist die Strahlung vernachlässigbar klein. Das aus kristallinem Gestein geförderte Wasser ist nicht radioaktiver als Quellwasser aus den Gebirgsmassiven.


Werden korrosive Wässer an die Oberfläche gefördert?

Unter Umständen ja. Solange solche Wässer, wie zum Beispiel schwefelwasserstoffhaltige Wässer, in einem geschlossenen Rohrsystem zirkulieren, tritt keine Korrosion auf. Korrosion tritt erst unter Zutritt von Sauerstoff auf.


Gibt es Dampfschwaden und Geruchsbelästigungen?

Bei geschlossenen Zirkulationssystemen wird kein Dampf abgelassen. Gelöste Gase wie Schwefelwasserstoff (Geruch nach faulen Eiern) werden im abgekühlten Wasser in den Untergrund zurückbefördert.


Muss man große Kühltürme bauen?

Große ältere Geothermiekraftwerke wie in Laderello (Italien) benutzen noch Kühltürme ähnlich wie bei konventionellen thermischen Kraftwerken. Moderne geothermische Kraftwerke sind in der Regel kleiner (kleiner 100 MWe), wobei zur Kühlung meist Luftkondensatoren verwendet werden. Die heute üblichen Kühlsysteme mit Luftkondensatoren sind klein, geräuscharm und emittieren keine Dampfschwaden. Zudem ist der Kühlbedarf bedeutend geringer, wenn die Anlage als Heiz-Kraftwerk konzipiert ist.


Wie lange reichen die Erdwärmereserven?

Die Reserve an sich ist nach menschlichem Ermessen unerschöpflich. Die erschließbare Reserve ist eine Frage der jeweiligen technischen und wirtschaftlich vertretbaren Möglichkeiten. Nach heutigem Stand der Technik wird das global erschließbare Wärmereservoir auf das 30-fache sämtlicher fossiler Energiereserven geschätzt.


Wie stark wird Erdwärme in Deutschland bereits genutzt?

Die Zahl der mit Erdwärme versorgten Haushalte in Deutschland nimmt jährlich stark zu. Etwa 390.000 Erdwärmepumpen sind deutschlandweit bereits in Betrieb. Für Informationen zu den Projekten der Tiefen Geothermie in Deutschland, werfen Sie einen Blick in die Projektliste unter Geothermie in Zahlen.


Kann man sich auf Erdwärme alleine verlassen?

Erdwärme ist die zuverlässigste aller Energiequellen. Sie steht jederzeit nach Bedarf zur Verfügung. Der weit überwiegende Teil der Erdwärmesonden-Anlagen sind monovalente Heizsysteme, also Systeme, die keine andere Heizquelle miteinbeziehen. Im Gegenteil dazu stehen andere Systeme, wie z. B. Luft-Wärmepumpen und solarthermische Heizsysteme, die auf unterstützende konventionelle Systeme angewiesen sind.


Gibt es ein Unfallrisiko?

In der Betriebsphase einer geothermischen Anlage gibt es keine spezifischen Unfallrisiken. Während der Bohrphase bestehen abschätzbare Risiken von Entgasungen. Sicherungsmaßnahmen gegen solche Ereignisse werden bei jeder Bohrung routinemäßig angewandt.


Gibt es Explosionsgefahren?

Es ist verboten Erdwärmesonden in geschlossenen Räumen zu erstellen. Bei Erdwärmesonden, die ins Freie verlegt sind, besteht keine Explosionsgefahr.


Ist Erdwärme teurer als Heizöl?

Die Erschließung von Erdwärme verursacht höhere Investitionskosten als eine konventionelle Heizung. Die Betriebskosten sind jedoch niedriger, da die Beschaffung von Brennstoffen wegfällt. Trotz tiefer Erdöl- und Erdgaspreise können Erdwärmesonden-Anlagen wirtschaftlich bereits konkurrieren. Müssten bei den konventionellen Heizsystemen die externen Kosten (CO2, NOx) mitberücksichtigt werden, wären Erdwärmesonden-Anlagen heute schon günstiger. Bei den Investitionskosten sind mit der Entwicklung weiterhin starke Kostensenkungen zu erwarten. Insbesondere in der Tiefbohrtechnik sind massive Produktionssteigerungen, das heißt Kostensenkungen, zu erwarten.


Lässt sich mit Erdwärme Energie sparen?

Ja. Bei einer konventionellen Verbrennungsheizung ist systembedingt mit einem Verlust von rund 20 % zu rechnen. Bei der Wärmegewinnung aus Erdwärme treten hingegen keine nennenswerten Wärmeverluste auf. Die Gesamtenergiebilanz ist wesentlich besser als bei fossilen Brennstoffen, da der gesamte „ökologische Rucksack“ der langen Transportwege entfällt. Die Produktionskette bei der Wärme und bei der Stromproduktion ist extrem kurz, da jeglicher Zwischenschritt der vor- oder nachgelagerten Speicherung entfällt. (Vorgelagerte Speicherung: Lagerhaltung von Kohle, Öl, Kernbrennstoffen, Speicherseen; Nachgelagerte Speicherung: Batterien, Pumpspeicher, Back-up-Kraftwerke)


Wie viel Platz beansprucht Erdwärmenutzung?

Sehr wenig. Der größte Teil der Anlage befindet sich unsichtbar unter der Erde. Meist zeugt nur ein Schachtdeckel von der Anwesenheit einer Tiefbohrung. Die Größe der oberirdischen Apparaturen ist ähnlich zu konventionellen Verbrennungssystemen. Erdwärmesonden-Anlagen brauchen sogar deutlich weniger Platz, da Tankräume gänzlich entfallen. Mit der heute gängigen Richtbohrtechnik können für Petrothermale Anlagen von einem Bohrstandort aus, mehrere Bohrungen in verschiedene Zielgebiete abgeteuft werden. Ein Wirrwarr oberirdischer Heißwasserleitungen, wie man es von einigen klassischen Geothermieanlagen kennt, gehört der Vergangenheit an.


Welche Bedeutung hat Erdwärme für Deutschland?

Die Geothermie bietet in Deutschland die Möglichkeit eine regenerative Energieversorgung mit einer einheimischen Ressource zu entwickeln. Außerdem kann es durch weitere Forschung gelingen, die Chance der Erdwärmegewinnung in weltweit führender Position weiterzuentwickeln. Das weltweit große Potential ermöglicht es das Know-how gewinnbringend zu exportieren.


Welche Bedeutung hat Erdwärme weltweit?

Solange die fossilen Brennstoffe noch billig sind, wird die Entwicklung der Erdwärmenutzung auf einem beschränkten Niveau fortschreiten. Sämtliche Prognosen, auch aus der Erdölindustrie selbst, deuten jedoch auf scharfe Preiszunahmen in Zukunft. Dies tritt ein, wenn die noch stets zunehmende Förderung von Erdöl abzuflachen beginnt, der globale Energiebedarf aber weiterhin steigt. Die Entwicklung der Petrothermalen Technologie wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Um sie als Erneuerbare Energie zur Ablösung fossiler Ressourcen rechtzeitig zur Marktreife zu bringen, muss die Entwicklung forciert werden.


Entstehen durch Tiefe Erdwärme gesundheitliche Risiken durch Radioaktivität und Schadstoffe?

In Diskussionen um Geothermie-Projekte kommt immer wieder die Frage auf, ob gesundheitliche Risiken durch den ausgestoßenen Dampf, der eingesetzten Stoffe oder durch Brand- und Explosionsgefahr bestehen. Auf Bildern von Geothermieanlage ist oft Dampf zu sehen. Dieser tritt im normalen Betrieb jedoch nur in Ausnahmefällen auf. Einige Geothermie-Anlagen nutzen beispielsweise Wasser zum Kühlen der im Kraftwerk eingesetzten Wärmeträger-Flüssigkeiten. Auch beim ersten Thermalwasser-Test oder bei der Reinigung der frisch fertiggestellten Bohrungen können Dampfschwaden zu sehen sein.

Ein weiteres Bedenken ist, dass Tiefe Erdwärmeanlagen „strahlen“ oder radioaktives Material an die Oberfläche befördern. Prinzipiell ist natürliche Radioaktivität an jedem Ort auf der Welt vorhanden. Beispielhafte Messungen in den Geothermie-Anlagen haben gezeigt, dass die Radioaktivität praktisch zu vernachlässigen ist. Die radioaktiven Werte im Thermalwasser sind so niedrig, dass ein Schutzabstand von wenigen Zentimetern auf dem Betriebsgelände ausreicht, um Besuchergruppen und Arbeiter zu schützen. Die Anlagenteile sind mit entsprechenden Markierungen auf dem Boden versehen. Verbrauchsmaterial wie etwa Filter-Tücher aus den Anlagen werden sachgerecht in Sondermüll-Deponien entsorgt.


Ist ein Geothermie-Kraftwerk laut?

Tiefe-Geothermie-Anlagen halten im Dauerbetrieb alle Anforderungen des gesetzlich geregelten Lärmschutzes ein. Während der Bau- und Bohr-Phasen kann es zu stärkerer Geräuschentwicklung kommen, beispielsweise durch die Bohranlage und den LKW-Verkehr an der Baustelle. Trotz Einhalten der Grenzwerte können im Dauerbetrieb die Kühlung oder auch eine obertägig arbeitende Pumpe als störend empfunden werden. Um dies zu vermeiden ist es in der Praxis gängig, zusätzliche Schallschutzwände zu errichten oder bestimmte Anlagenteile in Gebäuden zu platzieren, um für Lärmschutz zu sorgen.


Ist Tiefe Geothermie gefährlich?

In Tiefe-Erdwärme-Anlagen werden dieselben Wärmeträger-Mittel eingesetzt, mit denen auch handelsübliche Kühlschränke und Klimaanlagen arbeiten. Für sie gelten die entsprechenden Gebrauchs- und Sicherheitsbestimmungen. Zudem sind im gesamten Anlagenbereich die Sicherheitsvorkehrungen und Brandschutzvorschriften sehr hoch, beispielsweise gilt in Kraftwerken grundsätzlich ein striktes Rauchverbot. Alle Stoffe, die mit Thermalwasser in Berührung kommen, müssen behördlich genehmigt werden und unterliegen in einigen Regionen den strengen Bestimmungen des Wasserrechts.


Wird Raubbau an der Erdwärme betrieben? Besteht eine Gefährdung des Waldes oder eine Belastung des Klimas durch Abwärme?

Es besteht die Sorge, dass die Energiegewinnung aus Tiefer Erdwärme für ein erhebliches Absinken der Temperaturen im Untergrund sorgt und so an der Erdoberfläche die ökologischen Lebensbedingungen von Fauna und Flora verändert.

Tiefe Erdwärme wird aus 4.000 bis 6.000 Metern gefördert. Dadurch kann es im tiefen Untergrund zu einer vorübergehenden Abkühlung kleiner Bereiche des Untergrundes kommen. Die durch Erdwärme- Nutzung abgekühlten Bereiche heizen sich im Laufe der Jahre wieder vollständig auf. Daher ist Tiefe Erdwärme eine nach menschlichem Ermessen unerschöpfliche, erneuerbare Energieform.

Die Oberfläche, genauer die ersten 20 Meter, werden nicht von der Erdwärme unten, sondern von der Sonneneinstrahlung bestimmt. Somit hat eine Tiefe Geothermieanlage keine Auswirkung auf das Mikroklima und es gibt keine Gefährdung des Waldes oder der darin lebenden Tiere.

Auch die Abwärme führt zu keiner zusätzlichen Belastung des Klimas. So zeigt eine kontinuierliche Messung an einer bestehenden Geothermie-Anlage, dass die Abwärme vor Ort zu keiner Temperaturerhöhung im Vergleich zu einer Messstation 10 Kilometer entfernt führt.


Besteht eine Gefährdung des Grundwassers, weil Grundwasserstockwerke kurzgeschlossen werden?

Zur Gewinnung Tiefer Erdwärme werden mehrere Gesteins- und Wasserschichten durchbohrt. Daher wird befürchtet, dass das geförderte Thermalwasser in die Grundwasserschichten eindringt und sie verseucht. Geothermische Anlagen werden nicht als offene Brunnen, sondern mit einem geschlossenen Wasserkreislauf betrieben, d.h. die zugehörigen Bohrungen werden komplett mit Stahlrohren und Zement ausgekleidet. So kann das Thermalwasser nicht ins umliegende Erdreich eindringen und Grundwasser verunreinigen.


Steigt das Erdbeben Risiko? Wer kommt für eventuelle Schäden auf?

Tiefe-Erdwärme-Anlagen können Erdbewegungen im Untergrund auslösen. In der Regel liegen diese allerdings weit unter der Wahrnehmungs- und Schadensschwelle – man nennt dies Mikroseismizität. Eine Studie des Umweltbundesamtes kommt zu dem Schluss, dass Seismizität mit Personen- und Sachschäden bei Bohrungen für Tiefe Geothermie auszuschließen sind. Das Auftreten von spürbaren Erdbeben kann dabei durch ein geeignetes seismologisches Monitoring sowie durch ein entsprechendes Frühwarnsystem und Reaktionsschema minimiert werden.

Ab etwa Magnitude 2,5 treten Gebäudeschäden in Deutschland auf.  Den Umgang mit möglicherweise auftretenden Schäden regelt das Bundesberggesetz (BBergG): für mögliche Gebäudeschäden haftet der Anlagenbetreiber bzw. seine Versicherung, die üblicherweise ungefähr 10 Millionen Euro abdeckt, direkt – und nicht die private Gebäudeversicherung der Anwohner.


Geothermiekraftwerke haben einen sehr niedrigen Wirkungsgrad. Lohnt sich das überhaupt?

Bei der Stromproduktion bewegen sich die geothermischen Kraftwerke bei bis zu 13 Prozent. Der Wirkungsgrad Tiefer Geothermie ist im Vergleich mit anderen Erneuerbaren Energien tatsächlich niedriger. Da aber Erdwärme unabhängig von Jahreszeit und Wetter ist, laufen entsprechende Anlagen bis zu 8.400 Stunden im Jahr. Im Vergleich dazu liefern Windkraft-Anlagen an Land zwischen zwischen 2.000 und 2.500 Stunden, Solar-Anlagen sogar nur zwischen 900 und maximal 1.300 Stunden Energie.

Der entscheidende Vorteil von Strom aus Geothermie liegt jedoch in der Einsparung von CO2. So rechnet das Umweltbundesamt mit einer CO2-Emission von 1.142 Gramm pro Kilowattstunde bei Strom aus Braunkohle, 815 Gramm bei Steinkohle und immerhin noch 374 Gramm bei Erdgas. Strom aus regenerativen Energien erzeugt keine direkten CO2-Emissionen und ist damit entscheidend für den Stopp der Erderwärmung.


Wird ein Großteil der Abwärme ungenutzt vergeudet?

Bei Geothermie-Anlagen, die ausschließlich zur Stromproduktion eingesetzt werden, fällt die überschüssige Wärme als Abfallprodukt an. Eine zusätzliche Nutzung der Wärme ist wirtschaftlich wie ökologisch durchaus sinnvoll und lohnenswert. Eine bestehende Anlage bietet gleichermaßen Chancen für Bürger und Wirtschaft in der Region. Über ein Fernwärmenetz kann die Wärme an Haushalte oder Industriekunden geliefert werden. Zudem kann eine bestehende Geothermieanlage Anreiz sein für die regionale Erzeugung von Gemüse oder Obst.


Lohnt sich Tiefe Geothermie? Muss der Steuerzahler für die hohen Investitionen aufkommen?

Um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu fördern, wurde unter anderem das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) erlassen. Es regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen und garantiert deren Erzeugern eine feste Einspeisevergütung. So lässt sich das Risiko auffangen, das durch die Investitionen in Erneuerbare Energien entsteht. Speziell für Geothermie gilt, dass sie als einzige Erneuerbare Energie gleichzeitig Strom, Wärme und Kälte bereitstellt – unabhängig von Wetter und Tageszeit. Damit ist sie grundlastfähig und trägt in erheblichem Maß dazu bei, das Stromnetz stabil zu halten. Obwohl Erdwärme momentan nur 0,1 % zum deutschen Bruttostromverbrauch beiträgt, entspricht das bereits 110 Gigawattstunden jährlich mit denen 66.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart werden. In Hinblick auf die Klimaerwärmung und auf die nächsten Generationen sind die vergleichsweise hohen Investitionen daher nicht nur gerechtfertigt, sondern auch absolut notwendig.


Quellen:

Dr. Markus O. Häring, Geschäftsführer Geo Explorers Ltd
gec-co Global Engineering & Consulting-Company GmbH