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Pullach - Geothermieanlage

Geologische Situation in Pullach mit Bohrungen. Quelle: IEP

Bei der in Pullach realisierten Geothermie-Anlage wird nur der Energieinhalt des heißen Wassers genutzt: Nach der Übertragung der Wärme auf das Fernwärmenetz mittels Wärmetauscher wird das abgekühlte, ansonsten aber nicht veränderte Wasser wieder in die gleiche geologische Schicht, aus der es kam – den Malm – zurückgeleitet. Das ist erforderlich, um den Wasserhaushalt in der Tiefe nicht zu stören. Der natürliche Zufluss von Wasser in diese Schicht ist nämlich sehr gering. Deshalb müssen zwei Bohrungen niedergebracht werden, die sogenannte „Dublette”. Durch die erste Bohrung, die „Förderbohrung”, wird das heiße Wasser nach oben gefördert. Die zweite Bohrung, die „Reinjektionsbohrung”, führt das abgekühlte Wasser wieder zurück in den Malmkarst. Damit es nicht sofort wieder zur Förderbohrung fließt, liegt der Endpunkt der Reinjektionsbohrung etwa zwei Kilometer vom Ende der Förderbohrung entfernt. Das zurückgeführte Wasser wird im Laufe der Zeit wiedererwärmt und kann dann erneut genutzt werden.  

Steckbrief

Name der Anlage

Heizwerk Pullach

Standort

Pullach

Eigentümer/ Betreiber

IEP - Pullach

Nutzungsart

Hydrothermales Dreibohrlochsystem (Triblette)

Jahr der Inbetriebnahme

2005/2ß12

Leistung thermisch [MWth]

15,5

Leistung elektrisch [MWel]

-

Bohrungen [m]

3.443

Thermalwassertemperaturen [⁰C]

76

Förderraten [kg/s]

132

Sonstiges

 

Beschreibung der Anlage

Die Pullacher Geothermie-Bohrung hat Tiefengrundwasser im Malm-Karst erschlossen. In seinen Gesteinsschichten mit Hohlräumen wie Poren, Klüften, Fugen oder Karsthohlräumen kann Grundwasser fließen. So einen Grundwasserleiter nennt man Aquifer. Das hydraulische Vermögen eines Aquifers Grundwasser zu leiten wird als Durchlässigkeit bezeichnet. Die mittlere Durchlässigkeit im Raum Pullach schätzt man durch Vergleiche mit anderen Bohrungen im süddeutschen Raum auf – grob gerechnet – 1 Meter pro Tag. Ein Aquifer kann Wasser nicht nur leiten, sondern auch speichern. Das Grundwasser löst im Aquifer Stoffe und transportiert diese Lösungen. Aus der Kenntnis solcher Vorgänge und der jeweiligen Wasserbeschaffenheit sind Aussagen über die Herkunft und Bewegung des Grundwassers möglich. Durchlässigkeit und Speichervermögen eines Gesteins hängen nicht nur von dessen Ausbildung hinsichtlich Poren und Hohlräumen ab, sondern auch von den physikalischen Eigenschaften des Wassers, wie z.B. Temperatur und Dichte.

Mit zunehmender Tiefe und Aufenthaltsdauer des Grundwassers ändert sich auch dessen chemische Zusammensetzung. Alte Tiefengrundwässer besitzen einen höheren Lösungsinhalt, sind vor allem reicher an Natrium und Chlorid und ärmer an Kohlensäure. Um die Tiefengrundwasserbilanz nicht zu stören, ist es notwendig das entnommene Wasser, nachdem man ihm einen Teil der Wärme entzogen hat, in einer zweiten Bohrung, der Reinjektionsbohrung, wieder dem Aquifer zuzuführen. Nur etwa 3 Liter pro Sekunde dürfen für balneologische (Bade-) Zwecke verwendet werden. Man geht davon aus, dass diese Menge durch natürliche Zuflüsse zum Tiefengrundwasser wieder ausgeglichen wird.

Um möglichst viel Thermalwasser zu erschließen sind abgelenkte, also schräge Bohrungen im Aquifer vorteilhaft. Das Tiefengrundwasser steht unter Druck und steigt in den Rohren der Bohrungen auf ca. 100 bis 200 Meter unter Geländeoberkante an. Die Differenz zur Geländeoberkante muss durch die Förderpumpen bewältigt werden. Den Gesamtmineralienanteil des geförderten Wassers schätzt man auf voraussichtlich 600 bis 800 Milligramm je Liter. Für die Bezeichnung „Heilwasser” ist jedoch ein Mindestwert von 1000 Milligramm je Liter vorgeschrieben. Um „Thermalwasser” handelt es sich allemal. 

Geschichte und Infrastruktur der Anlage

  • 23. Oktober 2001 - Ministerium genehmigt Erschließung
  • 19. August 2004 - Die Infokampagne rollt an
  • 6. September 2004 - Das Bergamt Südbayern gibt grünes Licht
  • 11. September 2004 - Die Bohranlage kommt
  • 18. und 20. September 2004 - Bürger fragen, Spezialisten antworten
  • 22. November 2004 - Die Bohranlage wird aufgebaut
  • 5. Dezember 2004 - Es wird gebohrt
  • 21. Februar 2005 - Bohrung 2
  • 11. April 2005 - Von der Erde in die Haushalte
  • 3. Bohrung in Pullach (2011)

Als besonderer Erfolg kann die Bohrzeit der 3. Bohrung mit 56 Bohrtagen gewertet werden. Bislang wurde im Münchner Umland bei vergleichbaren Tiefen doppelt so lang gebohrt. Aus technischer Sicht war der Einsatz von Rotary Steerable Systems (=Automatisiertes Richtbohrverfahren) entscheidend.

Weblink

http://www.iep-pullach.de/cms/index.php?idcat=2